Eine Studie zeigt, dass digitale Interventionen Menschen dabei helfen, sich mit ihrem zukünftigen Selbst zu verbinden.
- Verbindung zum zukünftigen Selbst: Eine Studie zeigt, dass digitale Werkzeuge, insbesondere immersive Virtual Reality (VR), Menschen dabei helfen, sich emotional und kognitiv mit ihrem zukünftigen Selbst zu verbinden und so die Erreichung kurzfristiger Ziele zu verbessern.
- Studiendesign: An der Studie nahmen über 300 Studienanfänger in den Niederlanden teil.
- Dimensionen der zukünftigen Selbstidentifikation: Digitale Werkzeuge verstärkten die Verbundenheit, die Lebendigkeit und die positiven Gefühle gegenüber dem zukünftigen Selbst.
- Psychologischer Wandel: Das direkte Erleben des zukünftigen Selbst reduziert den mentalen Aufwand und macht die Zukunftsplanung greifbarer, was die Motivation steigert.
Zukunftsorientiertes Denken ist ein Grundpfeiler gesunder Entscheidungsfindung, akademischen Erfolgs und psychischen Wohlbefindens. Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, im Sinne ihrer zukünftigen Entwicklung zu handeln, da sie kurzfristige Belohnungen oft über langfristige Vorteile stellen. Eine neue Studie, veröffentlicht im „Journal of Medical Internet Research“, untersucht, wie digitale Interventionen diese Kluft überbrücken können, indem sie die Identifikation mit der Zukunft stärken.
An der Studie nahmen 321 Studienanfänger teil, die per Zufall einer von drei Gruppen zugeteilt wurden: einer Intervention per Smartphone-App, einer immersiven VR-Version derselben Intervention oder einer Kontrollgruppe mit herkömmlicher Unterstützung bei der Zielsetzung. Die Teilnehmenden begannen mit der Festlegung persönlicher Ziele: eines für das kommende Jahr und eines für den kommenden Monat. Zusätzlich formulierten sie ein Ziel für die kommende Woche als ersten Schritt zur Erreichung ihres Monatsziels. Die Forschenden unterstützten die Formulierung dieser Ziele und stellten sicher, dass diese spezifisch, messbar und anspruchsvoll (aber dennoch erreichbar) waren.
Über drei Wochen interagierten die Teilnehmer der App- und VR-Gruppen mit digitalen Avataren ihres zukünftigen Ichs (in zehn Jahren) und führten angeleitete Gespräche sowie Reflexionsübungen durch. Die VR-Erfahrung ermöglichte es den Nutzern, in die Rolle ihres zukünftigen Ichs zu schlüpfen und bot so eine Ich-Perspektive, die das immersive Erlebnis verstärkte.
Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Ergebnisse, dass sich in beiden Gruppen, die digitale Interventionen nutzten, alle drei Dimensionen der zukünftigen Selbstidentifikation signifikant verbesserten: Verbundenheit (das Gefühl der Ähnlichkeit und Kontinuität zwischen dem gegenwärtigen und dem zukünftigen Selbst), Lebendigkeit (die Klarheit der mentalen Bilder des zukünftigen Selbst) und Valenz (die mit dem zukünftigen Selbst assoziierte emotionale Tönung). Diese Effekte waren während der Interventionsphase am stärksten ausgeprägt und blieben auch nach sechs Monaten noch teilweise erhalten, insbesondere die Valenz.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis war der stärkere Einfluss von VR auf die Zielerreichung. Teilnehmer, die VR nutzten, berichteten von signifikant höheren wöchentlichen Zielerreichungsraten (Effektstärke d = 0,88), was darauf hindeutet, dass immersive Erlebnisse psychologische Veränderungen der Denkweise effektiver in reales Handeln umsetzen können. Die Smartphone-App zeigte hingegen keinen solchen Vorteil, möglicherweise aufgrund von Unterschieden in der Unterstützungsstruktur: Die VR-Gruppe erhielt persönliche Anleitung und strukturiertes Feedback zu ihren Zielen, während die App-Gruppe selbstständig arbeitete.
Jean-Louis van Gelder, ein führender Forscher im Bereich der zukünftigen Selbstidentifikation und Mitautor der Studie, betont das transformative Potenzial dieser Instrumente: „Wenn Menschen ihr zukünftiges Selbst sehen, hören und sogar zu ihm werden können, wird das abstrakte Konzept der ‚Zukunft‘ real. Dies ist ein psychologischer Wandel, der Motivation freisetzen kann.“
Er fügt hinzu: „Die wahre Stärke liegt nicht nur in der Technologie selbst, sondern darin, wie sie die kognitive Belastung beim Nachdenken über die Zukunft reduziert. Anstatt die Menschen aufzufordern, sich ihre Zukunft vorzustellen, lassen wir sie diese erleben – und machen sie so zugänglicher, insbesondere für diejenigen, denen die langfristige Planung schwerfällt.“
Obwohl die Intervention keine signifikanten Auswirkungen auf weitreichende Folgen wie selbstschädigendes Verhalten, Impulsivität oder schulische Leistungen hatte, sind die kurzfristigen Vorteile für die zukünftige Selbstidentifikation und Zielverfolgung vielversprechend. Die Ergebnisse legen nahe, dass digitale Werkzeuge als leistungsstarke und skalierbare Einstiegspunkte zur Förderung langfristigen Wohlbefindens und der Zielverfolgung dienen können, insbesondere im Bildungs- und Präventionsbereich.
Was dies für die Gesellschaft bedeutet
Diese Forschung eröffnet neue Wege, junge Erwachsene in kritischen Lebensphasen wie dem Studienbeginn oder dem Eintritt ins Berufsleben zu unterstützen, indem zukunftsorientiertes Denken konkreter und emotional ansprechender gestaltet wird. Schulen, Universitäten und Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens könnten solche digitalen Werkzeuge integrieren, um Schüler und Studierende beim Aufbau von Resilienz, der Verbesserung ihrer Studienleistungen und der Reduzierung von Risikoverhalten zu unterstützen. Mit weiterer Entwicklung könnten diese Interventionen zu zugänglichen, kostengünstigen und wirksamen Instrumenten werden, die lebenslang zielgerichtetes Verhalten fördern.
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