Die wichtigsten Informationen zu Kriegsverbrechen durch die IDF kamen nicht von den öffentlich-rechtlichen Medien

Die wichtigsten Informationen zu Kriegsverbrechen durch die IDF kamen nicht von den öffentlich-rechtlichen Medien

Ohne Social Media hätte Israel sein Lügengebäude weiter ausgebaut


Nichts ist wie es einmal war. Und schon gar nicht was die Welt der Nachrichten und die Beschaffung von Informationen betrifft. Wenn ich mich über weltpolitische Ereignisse informieren möchte, steht mir eine große Auswahl an Medien und Medienformaten zur Verfügung. Die Zeiten der mächtigen Oligopole der Printmedien und des klassischen Fernsehens sind vorbei. Zum Glück. Man stelle sich vor, dass die Ereignisse nach dem 7. Oktober vor 2005 stattgefunden hätten. Man hätte uns die Kriegsverbrechen der israelischen Armee als berechtigte und angemessenen Verteidigungsoffensive verkauft. Keine Bilder von grausam entstellten Kindern und bombardierten Krankenhäusern. Keine Handyaufnahmen von Krankenwagen, die barbarisch beschossen und dessen Insassen durch die IDF ermordet wurden. Keine Berichte über das mit 300 Kugeln getötete Mädchen Hind Rijab. Israel hätte sein Lügengebäude weiter ausgebaut, um unbescholten Zivilisten zu ermorden und ganze Gebiete auszulöschen. Das wäre der israelischen Regierung ein leichtes gewesen. Denn selbst in der Gegenwart, in der erschreckende Bilder aus Gaza um die Welt gehen, verleugnet Israel beharrlich, Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Glaubwürdigkeit braucht keine Staatskasse wie die GEZ, die sich selbst heiliggesprochen hat

Die Realität der Medienwelt ist inzwischen nicht mehr die vor 2005. Es gibt Blogger, freie Journalisten und Aktivisten, die uns den Krieg mit erschütternden Bildern, vor allem über Social Media, sichtbar gemacht haben. Den öffentlich-rechtlichen wird dieses rasante und oft aggressive Publikationstempo, primär im Hinblick auf die einst unangefochtene Exklusivität, zu einem immer größeren Problem. Und auch, weil immer neuere Formate in ihrer Arbeit ungebunden und Inhalte schnell und semiprofessionell erstellt werden können. Die schrecklichsten Bilder aus Gaza haben uns über Social Media erreicht. Die Misshandlung von Palästinensern durch das israelische Militär, die Anschläge auf Krankenhäuser und Flüchtlingslager, die Schikane der Zivilbevölkerung durch die IDF. Aufnahmen der Brutalität, die immer wieder in den sozialen Medien auftauchen und fassungslos machen. Der Welt zugänglich gemacht durch die unermüdliche Arbeit von Menschenrechtsaktivisten und Journalisten, von denen viele ihr Leben riskiert haben. Aber eben auch durch spontane Aufnahmen mit dem Mobiltelefon. Diese Dynamik empfindet das öffentlich-rechtliche Fernsehen als bunten propalästinensischen Firlefanz, das nicht nur den journalistischen Vorsprung staatlicher Sender gefährdet, sondern auch zunehmend an der Glaubwürdigkeit rüttelt. Immer mehr Menschen möchten die GEZ-Gebühren nicht mehr zahlen. Vielleicht auch deshalb, weil Wahrheiten keine heiliggesprochene Staatskasse brauchen.

Deutsche Medien sehen sich prädestiniert, die Wahrheit zu Gaza zu kennen. Dafür schämen sie sich nicht einmal.

Wahrheiten brauchen mutige Stimmen, auch wenn sie nur ein einziges Wort von sich geben. Wenn auch nur in einem einzigen kleinen Reel auf Instagram. Ich bin froh über die nahezu explodierende Masse an Beiträgen zu Gaza. In Deutschland bezeichnet man diesen Trend, oft in Verbindung mit der Islamisierung, auch sehr gerne als Online-Radikalisierung. Aber gleichzeitig werfen etablierte Medien Bloggern auf radikale und kategorisierende Weise vor, lediglich Fake-News und KI-Bilder zu verbreiten. Und das trotz der qualitativen Inhalte aus unterschiedlichsten und seriösen Quellen. Etablierte deutsche Medien hantieren mit dem Begriff der Wahrheit sehr selbstverständlich und haben eine rhetorische Eigenart entwickelt, mit der sie sich als prädestiniert erklären, die Wahrheit zu kennen. Die Ereignisse nach dem 7, Oktober haben gezeigt, wie viel Informationen uns entgangen wären, wenn wir lediglich die Medien der selbsternannten Wahrheitsjournalisten rezipiert hätten. Die Vorgehensweise in der Berichterstattung zeigt ein sich immer wiederholendes Muster: Begriffe wie Antisemitismus und Hamas werden missbraucht, um Kriegsverbrechen in Gaza zu verharmlosen. Propalästinensische Meinungen zu Gaza werden entweder dem Antisemitismus oder dem Befürworten von Terrorismus zugeordnet. Keine Nuancen. Kein dazwischen.

Journalismus sollte nicht nur Informationen transportieren. Er sollte viel mehr dem Gewissen des Menschen dienen

Doch Demokratie lebt nicht nur von unmittelbar erkennbaren „Wahrheiten“. Es gibt Wahrheiten, die ich unter einer Lüge bündeln kann oder eben Lügen, die sich unter einer Wahrheit befinden. Wenn ich eine Aussage über eine Erfahrung oder Beobachtung tätige, die ihrem Inhalt nach den Anspruch erhebt einer Wahrheit zu entsprechen, muss ich für gewöhnlich konkrete Anhaltspunkte dafür liefern. Meine Aussage und mit ihr der gesamte Inhalt müssen nachprüfbar sein. Wenn ich beispielsweise behaupte, dass die Wahlbeteiligung junger Menschen weiter abnimmt, sollte ich zumindest benennen können, was ich damit konkret meine und woher ich diese Information habe. Auf einem Blog, in dem vor allem viel Meinung, Wahrnehmung und ja, auch Verantwortungsgefühl zu allen möglichen Themenbereichen geteilt wird, ist es schwer bis kaum möglich, in jede Aussage oder Erfahrung eine methodisch nachprüfbare Beweisführung einzubinden. Der Journalismus dient der Demokratie und Meinungsbildung nicht lediglich dadurch, in dem es Wahrheiten mit Beweisführungen und leicht einsehbaren Zusammenhängen verknüpft und damit nur Informationen transportiert. Der aufrichtige Journalismus hat ebenso die Pflicht, Beobachtungen zu unterschiedlichen politischen Entwicklungen, moralische Fragestellungen und beobachtete gesellschaftliche Wandlungsprozesse aufzugreifen, die in unterschiedlicher Ausgewogenheit viele einzelne Wahrheiten bilden. Die Bereitstellung solcher Publikationen dienen weiteren Diskussionen und nehmen in bestimmten Momenten an der einen oder anderen Wahrheit teil.

Politische Diskussion und Meinung braucht keine Fußnote

Ich fühle mich journalistisch verpflichtet, von mir wahrgenommene Entwicklungen in ihrer Dynamik und Form zu beschreiben und zu veröffentlichen, um Gedankengänge zu beschreiben, die bei manchen Rezipienten womöglich auf gleiche Beobachtungen und Einsichten stoßen und ihre mit meinen Darlegungen nahtlos verknüpfen, erweitern, infrage stellen oder auch vervollständigen können. Das bedeutet also, dass nicht jede Behauptung, die sich in ihrer Darlegung als Wahrheit aufdrängt, einer methodischen Nachprüfung bedarf, um als Ausschnitt einer wahrgenommenen Realität in die politische Diskussion einzufließen. Politische Diskussion braucht keine Fußnote. Alles, was zur Verteidigung der Würde des Menschen dient darf geäußert werden. Jede Nation, auch Israel, darf hart kritisiert werden. Und bei Kriegsverbrechen noch härter. Die Geschichte der Juden schützt Israel nicht vor weltweiter Verurteilung und sehr scharfer Kritik. Natürlich kommt die Weiterführung angestoßener Diskussionen oder Kritik nicht ohne Beweisführung aus. Aber auch diese sind mehrfach vorhanden: Die faschistische Regierung und ihre Absichten in Gaza sind längst keine Geheimnisse mehr. Je empfindlicher die Thematik also ist, desto härter kann die Kritik ausfallen. Denn ohne die Äußerung und Einordnung von Kritik, Wahrnehmung und Erfahrungen kann auch keine Diskussion entstehen, ohne Diskussion kein öffentliches Interesse, ohne öffentliches Interesse keine politische Teilhabe, keine Meinungsbildung. Es ist also meine Pflicht und das Mindeste der mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wahrzunehmen und das israelische Verbrechen als das zu benennen was es ist: Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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