„Ich habe ein neues englisches Wort geschaffen- Israelismus“. So beginnt ein Insta- Reel des ugandischen Bloggers Lumamba Amin, Sohn des berüchtigten ugandischen Ex-Diktators Idi Amin. Aber um den soll es nicht gehen. Amin will anhand eines einzigen Begriffs die radikal verfahrene Einseitigkeit öffentlicher Debatten zum Gaza-Krieg verdeutlichen, in dem er sich einer selbst kreierten Wortschöpfung bedient, die auf dieselbe Wirkung zielt wie die plakativ-inflationären Begriffe westlicher Medien, um jeder politischen Aktivität oder Interessensvertretung auf muslimischer Seite eine radikalisierte Ambition anzuhängen. Kurz: Er möchte der weit verbreiteten proisraelischen Berichterstattung durch Oligopole den Spiegel vorhalten .
Inzwischen hat es sich ohnehin zum journalistischen Normativ entwickelt, Interessen der palästinensischen Zivilbevölkerung mit terroristischen Interessen gleichzusetzen.
Ganz egal, ob es um die Zahl getöteter Zivilisten geht oder um konkrete Kriegsverbrechen, die durch das israelische Militär verübt wurden. Alles wird gerne als komplex, verwachsen, unübersichtlich und nicht bestätigt bezeichnet, um die Verbrechen zu relativieren und vom Völkermord abzulenken. Zwischen der leidenden Zivilbevölkerung und den Machenschaften der Terrororganisation Hamas nimmt die Kontextualisierung in den Berichterstattungen immer weiter weiter ab. Jede noch so kleine Kritik am Vorgehen der israelischen Armee und das Hinterfragen der politischen Absichten Israels wird als antisemitisch oder mindestens islamistisch gewertet, um dem Gehalt einer berechtigten propalästinensischen Position die ethische, rationale und moralische Essenz zu entziehen und sie als unglaubwürdig und radikalisiert darzustellen. Doch zurück zu Amins Wortschöpfung.
Der Begriff Israelismus ist mindesten ein ebenso guter Alleskönner wie der Begriff Islamismus.
Und genau aus diesem Grund hat sich der propalästinensisch-muslimische Journalismus bewusst dafür entschieden, ihn bei jeder Gelegenheit als argumentativen Vorschlaghammer einzusetzen. Der Begriff wird durch Amin nicht unerklärt gelassen. „Alles was Israels Vorgehen bedingungslos verteidigt ist Israelismus“, beginnt Amin das Video und nennt weitere Beispiele: „Wenn Israel 90 Prozent von Gaza zerstört und dies mit gezielt militärischen Operationen begründet – Israelismus“. „Wenn Menschen in Europa behaupten, Gaza sei den Israelis vor 3000 Jahren versprochen worden – das ist Israelismus“. „Wenn westliche Medien behaupten, Israel hätte die Zivilbevölkerung vor militärischen Operationen gewarnt, um sie zu schützen – ebenso Israelismus“. „Wenn westliche Medien, trotz des brutalen Mordes an den Palästinensern zeitgleich und lediglich vom wachsenden Antisemitismus schreiben – Israelismus“. „Wenn friedliche Demonstranten festgenommen werden, weil sie Israel Völkermord vorwerfen – Israelismus“. „Wenn eine brutale und kalkulierte ethnische Säuberung stattfindet, in dem Häuser bombardiert und ganze Familien ausgelöscht werden und überlebende Menschen nicht mehr zurückkehren können und sich das Militär die Gebiete aneignet – Israelismus“. Amin führt weitere Beispiele an.
Das ist ein politischer Islamhass, der mit faschistisch- israelistischem Gedankengut perfekt abgestimmt ist
Für Amins Aufzählungen lassen sich zahlreiche Quellen finden. Bereits hunderte Menschenrechtsorganisationen haben Kriegsverbrechen beobachtet, fotografiert und seitenweise dokumentiert. All das wird relativiert und in der journalistischen Faktensammlung nicht berücksichtigt. Tatsächlich tendieren westliche Medien schnell dazu, alle politischen Aktivitäten und Meinungsäußerungen, die dem Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung und der Sichtbarkeit israelischer Verbrechen dienen, als irreführende und nicht verifizierte Information darzustellen. Das begriffliche „Ettikettieren“ propalästinensischer Berichterstattung mit Islamismus und Terrorismus dient dazu, Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen zu diskreditieren und ihre öffentliche Wirkung zu entkräften. Solange die Klage durch friedliche muslimische Menschen zu Wort gebracht wird, ist es ungültig. Das ist ein politischer Islamhass, der mit faschistisch- israelistischem Gedankengut perfekt abgestimmt ist und seine Wirkung voll entfaltet.
Palästina als die Herkunft des Bösen und Hochburg des Terrorismus, das faschistische Israel als Richtschnur gelebter Demokratie.
So sehen westliche Medien Israel am Liebesten. Die Amnesty International hat seit dem Beginn des Angriffs der IDF auf palästinensische Gebiete rasant an Ansehen und Glaubwürdigkeit verloren. Nicht weil sie tatsächlich unglaubwürdig wäre, sondern weil sie als Menschenrechtsorganisation der Parteinahme und Befangenheit bezichtigt wurde. Auch das ist, naja, Israelismus. Nicht einmal die Internationale Justiz bleibt von solch irrsinnigen Vorwürfen und wässrig formulierten Unterstellungen unberührt. Radikal ist aber jene Partei, Institution und Regierung, die vor der Justiz respektlos die Faust erhebt und unabhängigen Aktivisten in Krisengebieten die Arbeit verweigert. Radikal ist jede Haltung, die einer unabhängigen Untersuchung widerspricht und den Mord tausender Zivilisten mit einem einzigen Terroranschlag rechtfertigt. Radikal ist der, der einen faschistischen Staat als demokratischen Staat bezeichnet, gesuchten Kriegsverbrechern die Hand reicht (wie Friedrich Merz) und den offensichtlichen Völkermord relativiert.

